Swatty

Sanftmütig und lieb: Swatty
Ein wunderschönes, sanftmütiges Böckchen war mein erster Schafs-Freund Swatty (Foto: Lucky-Loo-Red.).

Swatty: Zu gut für diese Welt!

Nachruf auf meinen ersten besten Freund

Swatty kostete meinen Papa von vorneherein 60 Euro. Da wurde er eindeutig abgezockt – aber Swatty war nach meiner Überzeugung jeden einzelnen Cent wert, im Grunde unbezahlbar.

Ein sanftmütiges, sensibles, schwarzes Lämmchen trat im Frühsommer 2016 in mein Leben. Und es war von Anfang an viel zu gut für diese Welt, wenn Ihr mich fragt.

Swatty meckerte nicht und drängelte nie vor, war stets entgegenkommend und kooperativ. Schnell fügte er sich ein in die Rolle des kleineren, nachlaufenden und nachahmenden Bruders, merkte er doch gleich, dass ich aus einer ganz anderen Wolle gesponnen war als er. So konnte ich ungehindert über ihn dominieren, wie es mir selbstverständlich gebührte und was ich regelmäßig durch bockiges Geschubse und Gestoße demonstrierte – ganz besonders dann, wenn sein Liebesbedürfnis gegenüber den Zweihuflern mit meinem zu konkurrieren drohte. Eifersüchtig verteidigte ich meine privilegierte Stellung als Lieblings-Lämmchen! Bei Papa funktionierte das. Sein Weibchen hingegen wurde mir ab und zu abtrünnig. (Vermutlich weil dieses Weichei meine zärtlichen Angriffe auf ihr Schienbein [dem damals begipsten] gründlich missverstand.)

Alle liebten Swatty – Swatty liebte alle

Selbst das Herz des weiblichen-Zweihufler-Lämmchens von Papas Weibchen (Boa, was für komplizierte Familien-Verhältnisse! Aber das ist ein anderes Thema …) eroberte Swatty im Sturm. „Ooooch! Der ist so liiiieb!“, pflegte sie entzückt zu quieken, als sie seiner angesichtig wurde und er auf Schmusekurs mit ihr ging.

Nun ja, das war er ja auch. Zugegeben.

Doch irgendwann begann ich, mir Sorgen um ihn zu machen. Als wir nämlich zu den Mutterschafen und Lämmchen gesetzt wurden (bis dahin hatten wir ein exklusives Leben in trauter Zweisamkeit geführt), fand Swatty nicht so recht seinen Platz in der Herde. Anfangs taperte er mir noch treu ergeben hinterher. Aber nachdem ich mehr und mehr Freundschaft mit meinem biologischen Bruder Fred und den anderen Jungböcken schloss, verlor sich Lucky in einer gewissen Bezugslosigkeit.

Die Mutterschafe hatten ihre Lämmchen, die Lämmchen ihre Geschwister und wir Jungböcke hatten uns – vornehmlich, um uns gegenseitig zu bocken.

Lucky schloss schnell Freundschaft.
Sehr schnell fand ich luckily neue Freunde, doch um Swatty wurde es immer stiller. (Foto: Lucky-Loo-Red.)

Das aber war dem zartbesaiteten Swatty zu brutal, zu martialisch. Wie gesagt: Er war einfach zu gut, zu sensibel für diese Welt. Wo sollte Swatty seinen Platz darin finden können?

Einsames Lämmchen auf der Weide

Meist stand er allein auf der Weide, schlich mal hier hin, mal dort in und kaute traurig vor sich hin, ohne Anschluss an ein warmes Mutterschaf oder an netten Spielgefährten zu knüpfen. Und dann – von einem Tag auf den anderen – baute er gesundheitlich massiv ab. Erst stand er noch mit gekrümmtem Rücken auf seinen Beinen, aber es dauerte nicht lange, bis er sich hinlegte und nicht wieder aufstand.

Papa ist Swattys Zustand natürlich auch nicht entgangen, und so nahm er das Lämmchen am Abend mit zu sich in seinen Privat-Stall.

Am Morgen erschien Papa wieder – aber ohne Swatty. Mein Lieblings-Zweihufler wirkte sehr niedergeschlagen, aber umso eindringlicher ermahnte er uns, bloß nicht von diesem gelbblühenden Jakobskreuzkraut zu knabbern, von dem er befürchtete, dass der arme Swatty davon gegessen hatte. Und das bezahlte mein Swatty leider mit seinem Leben.

Swatty hätte nicht vom Jakobskreuzkraut naschen sollen.
Das gelbe Jakobskreuzkraut wurde Swatty zum Verhängnis. (Quelle: pixabay)
Das Johanneskraut sieht dem Jakobskreuzkraut zum Verwechseln ähnlich.
Lag hier eine tödliche Verwechslung mit dem Johanneskraut vor? (Quelle: pixabay)

Vielleicht hatte mein kleiner Freund ganz bewusst beschlossen, sich zu vergiften – beschleicht mich manchmal der vage Verdacht – nämlich um genau da hin zu gelangen, wo seine wahre Bestimmung ist: im Schafshimmel.

Schau hinauf in den Himmel! Dann siehst Du meinen Swatty unter den Wolken-Formationen. Da hat Swatty – jetzt ein Whity – seine ihm angemessene Form und seinen ihm gebührenden Platz gefunden. Eingebettet im der Weite des blauen Himmels formiert er sich auf seine eigene Weise, wie es ihm gefällt und guttut, ohne Kampf, Widerstand oder Einsamkeit.

Mach’s gut, mein kleiner, lieber Swatty! Du warst ein echter Bruder für mich.

 

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Folge der Lucky-Herde

Autor: Lucky-Loo

Geb. 2016; aufgewachsen und sozialisiert unter Zweihuflern in den ersten Lebensmonaten; erfolgreich reintegriert in die Schafsherde; seitdem geistiger Führer, Abenteurer und Autor zwischen zwei Welten.

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