Neueste Erkenntnis: Gesichtserkennung

Gesichtserkennung unter Schafen
Ein Schafsgesicht gleicht jedem anderen A…gesicht? Von wegen!! (Foto: Lucky-Loo-Red.)

Kürzlich jagte eine Nachricht wie ein Lauffeuer durch sämtliche Medien: Schafe erkennen Gesichter wieder!

Die Wissenschaft jubelt, die Zweihuflerschaft staunt. Und leise wird die Frage aufgeworfen, ob Schafe möglicherweise – also eventuell – doch nicht so dumm sind wie ihr Ruf.

Uns Schafen ringt diese scheinbar sensationelle Erkenntnis nur ein nachsichtiges Lächeln ab, und die Minderheit der Zweihufler, die das Privileg genießt, mit Schafen näher zu tun zu haben, weiß es schon lange: SELBSTVERSTÄNDLICH können Schafe nicht nur Gesichter erkennen, sondern auch jederzeit wiedererkennen. Sogar Zweihufler-Gesichter! Denn während jedes einzelne Schafsantlitz einzigartig und unverwechselbar ist, sehen jene der Zweihufler auf den ersten Blick – und auf den zweiten und dritten – alle gleich aus.  In Ermangelung irgendwelcher markanter Züge oder durchgängiger Befellung oder nennenswerter Ohren oder ernst zu nehmender Schnauzen oder ausdrucksvoller Augen oder gar scharfer Reißzähne oder schließlich spitzer Hörner lassen sich Zweihufler-Gesichter weit schwieriger voneinander unterscheiden als die der Tiere im Allgemeinen oder die der Schafe im Besonderen. Selbst die Konterfeis von Nacktschnecken oder Regenwürmern kommen individueller daher als die Einheitssoße der Zweihufler-Visagen. Aber Tiere – und wie die Zweihufler-Wissenschaft nun jüngst und zu ihrer eigenen, für uns  rührend anmutenden Überraschung festgestellt hat – insbesondere Schafe schauen eben genau hin. Was die Mehrheit der Zweihufler als einfältig dreinschauenden Schafs-Blick betrachtet, wenn die Checker unter uns in der vordersten Reihe die zweihufigen Weidenbesucher oder -Passanten lange, anhaltend und tief mustern, ist in Wahrheit ein intensives Einprägen noch so flacher Gesichter, die gerade Zweihufler nun mal ihr Eigen nennen müssen. Wer von den stupsnasigen, kleinäugigen, nacktgesichtigen (mit mehr oder weniger langer Haupt- und Kinnwolle) Zweihuflern mehr Interesse als nur „Schlachtgewicht“ oder „Fleischschaf“ an uns Schafen zeigt, wird umso intensiver eingeprägt. Und wer uns mit Leckerlis versorgt, beschmust und ehrlich liebt, der wird für ewig als „Schafsversteher“ und „Schafsflüsterer“ abgespeichert.

Aber die meisten Zweihufler unterschätzen uns Tiere in chronischer Weise. Das ist – nebenbei bemerkt – unser Vorteil im Prozess der Evolution. Ihr werdet sehen – wenn Ihr mal sehen lernt.

Und dann erkennt Ihr auch. Aber spätestens nach dem Rauswurf aus dem Paradies, als Adam sein Weib Eva erkannte, liegt für die Zweihufler noch ein langer Weg der Erkenntnis vor ihnen.

 

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Folge der Lucky-Herde

Autor: Lucky-Loo

Geb. 2016; aufgewachsen und sozialisiert unter Zweihuflern in den ersten Lebensmonaten; erfolgreich reintegriert in die Schafsherde; seitdem geistiger Führer, Abenteurer und Autor zwischen zwei Welten.

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