Von Jamaika bis zum Regenbogen

Lucky nimmt den Mund zu voll.
Lieber Gras im Mund als Stroh im Kopf: Im Zweifelsfalle trifft meine Wahl auf Grün, auch wenn ich grundsätzlich für die Regenbogenkoalition plädiere. (Foto: Lucky-Loo-Red.)

Oder: Die Qual der Wahl

Neulich haben die Zweihufler begonnen, ihr Leitschaf zu wählen – und mit ihm die möglichen Leitherden. Wie bei den Zweihuflern üblich, ist dieses Ereignis mal wieder tootaaal aufwändig vonstatten gegangen – getreu nach dem Motto: Wieso einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Also, so weit ich das Ganze verstanden habe, durfte jedes Schaf im deckfähigen Alter seine bevorzugte Herde markieren, aus der dann das Leitschaf hervortritt, und damit seinen Blök abgeben, von wem er oder sie für die nächsten vier Jahre geführt werden will. Trotz erzielter Ergebnisse, welche Herdengruppe die meisten Markierungen erhalten hatte, welche die zweitmeisten usw., war die Sache mit der Gesamt-Herden-Wahl noch lange nicht vom Busch. Denn seitdem verhandeln die einzelnen Herdengruppen miteinander, welche mit wem gemeinsam führen wollen, welche mit wem gegen die Führung gemeinsam bockig sein wollen und welche mit wem überhaupt nicht gemeinsam grasen wollen … Oder so ähnlich.

Bei Rot über die Ampel direkt nach Jamaika?

Im Zuge dieser Verhandlungen fallen Farbbezeichnungen wie Rot, Schwarz, Grün, Gelb, Blau, auch Braun und Begriffe wie Ampel (?????!!??), Jamaika (Sunshine, … Sunshine Reggae, Yeah!) und weitere, die sich mein Schafshirn weigert, auch nur ansatzweise abzuspeichern.

Denn die Zweihufler sollten sich auch bei ihrem Unterfangen ‚Leitschaf-Wahl‘ ein Beispiel an uns Schafen nehmen. Unter uns bekanntlich vernunft- und politisch begabten Wollkleid-Trägern wird die Führungsfrage klar und deutlich, umgehend und v.a. mit schlagkräftigen Argumenten gelöst – und auch nicht verbindlich geklärt für die nächsten vier Jahre (bis dahin ist viel Gras von der Weide gekaut!), sondern regelmäßig hinterfragt und ggf. erneuert.

Leitschaf-Wahl mit Köpfchen

Wir Schafe setzen nämlich von vorneherein unseren Kopf ein (und nicht wie die Zweihufler erst unseren Mund). Da wird nicht viel geblökt, aber umso mehr angestoßen. So wird der härteste und stärkste Kopf Leit-Bock sowie der klügste und umsichtigste Kopf Leitschaf. So einfach ist das. Beim Wahlkampf der Böcke zieht sich die unterlegene Opposition am Ende der Auseinandersetzung im besten Falle mit Kopfschmerzen oder einer Gehirnerschütterung in die zweite Reihe zurück, im für sie schlechtesten Falle zieht sie aufgrund ihres evtl. finalen Abgangs nie wieder irgendwohin. Das mag für den betreffenden Bock tragisch sein, sorgt aber für klare Verhältnisse in der Herde.

Schafe mit ganzem Kopfeinsatz.
Bitch-Bite-Battle: Nicht nur Böcke, auch Mutterschafe setzen erst einmal ihren Kopf ein, wenn es um Leitungsfunktionen und Hierarchien geht. (Foto: Lucky-Loo-Red.)

Mitunter wird die Führungsfrage täglich bis stündlich neu aufgeworfen und verhandelt (auf die oben beschriebene Weise). Bei der so konstituierten schäflichen Autokratie (nicht zu vergleichen mit der zweihufigen Autokratie, aber davon bei Interesse später an anderer Stelle!; Anm.: Lucky-Loo) handelt es sich also um einen ausgesprochen gerechten und stets dynamischen Prozess, der sich bei guter Führung in den mittelbar wabernden Demokratisierungsbewegungen (auch nicht zu vergleichen mit den zweihufigen Demokratisierungsbewegungen, aber auch davon bei Interesse später an anderer Stelle!; Anm.: Lucky Loo) der Basisherde subsumptiv und gleichsam ordnend herunterzubrechen vermag.

Bei den Koalitionsverhandlungen der Schafe sind alle Farben vertreten.
Bunte Koalition: In meiner Herde finden sich alle Farben, die Wollkleider zu bieten haben. (Foto: Lucky-Loo-Red.)

Multi-Kulti-Herde wählt bunt

Während die Zweihufler seit geraumer Zeit in ihrer ihnen eigenen Umständlichkeit die Leitherden-Verhandlungen führen, gibt’s bei uns Schafen darüber nicht viel zu blöken. Als Multi-Kulti-Herde bestehend aus Pommern-, Rhön-, Fuchs-, Moorschnucken-, Kerry-Hill-Schafen oder Mischlingsherden – wie beispielsweise der edlen aufstrebenden Rasse der Pfefferschafe! – klären wir zum einen Positionen und Hierarchien in schafstypischen Dialogen (auf die oben beschriebene Weise), zum anderen berücksichtigen wir von Natur aus das Diversitäts-Prinzip. Selbstverständlich hat jede Rasse in unserer Gesamtherde ihre spezifischen Temperamente, Fähigkeiten und Grundhaltungen etc. Und dem entsprechend wird sie auf ihren gemäßen Platz mit ihrer bestimmten Rolle in die Gesamtherde integriert. Wir Schafe richten uns konsequent nach den vorhandenen Kompetenzen und nicht danach, wer am lautesten blökt. Außerdem spielen Farben dabei nicht die geringste Rolle. Unsere Herde ist dunkelbraun (Pommern), hellbraun (Fuchs), weiß (Moorschnucken), gescheckt (Kerry-Hill), schwarzköpfig (Rhön) oder eben Salt & Pepper (Pfefferschaf)! Unsere Herde ist bunt! Wir Schafe sind bunt! Und das ist gut so!

Deshalb meine Empfehlung an die Zweihufler für ihre Koalitionsverhandlungen und überhaupt: für ihre gesamte Lebenshaltung: Beschränkt Euch nicht auf schwarz oder rot oder grün oder gelb oder blau oder braun sowieso! Fahrt über Ampeln und fliegt über Jamaika! Stattdessen: Wählt bunt! Bunt ist unser Planet, bunt ist das Universum (so weit ich weiß), bunt ist das Leben!

Wählt alle Farben des Regenbogens, denn der Regenbogen ist das Tor auch zu Eurer Welt!

 

 

 

 

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Folge der Lucky-Herde

Autor: Lucky-Loo

Geb. 2016; aufgewachsen und sozialisiert unter Zweihuflern in den ersten Lebensmonaten; erfolgreich reintegriert in die Schafsherde; seitdem geistiger Führer, Abenteurer und Autor zwischen zwei Welten.

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